Besuchsbericht 2012

Liebe Freunde und Paten der Solidarität Senegal,
Auf Grund der Unruhen im Vorfeld zur Wahl des Präsidenten von Senegal war unsere
Reise bis zum letzten Moment fraglich. Das Deutsche Auswärtige Amt hatte vor Reisen in den
Senegal für die Monate Februar und März 2012 gewarnt. Doch unsere Freunde im Senegal
beruhigten uns und baten zu kommen.
Im Flugzeug bemerkten wir schon die Auswirkung der Warnung: In den vergangenen
Jahren waren die Flugzeuge bis auf den letzten Platz ausgebucht, diesmal war die Maschine
mit Passagieren nur halb besetzt, und bis auf fünf Europäer waren nur Afrikaner an Bord.
Weitere Auswirkungen bemerkten wir in unserem und in anderen Hotels. Keine Touristen. Auf
Nachfrage im Hotel erfuhren wir, dass die meisten Touristen ihre Reise kurzfristig storniert
hatten. Die Folgen für die Menschen im Senegal sind katastrophal. Das Personal in den Hotels
wird ohne Vergütung in Zwangsurlaub geschickt. Die Menschen haben keine Rücklagen.
Obwohl wir die beiden größten Städte Senegals mehrmals durchfahren haben, spürten wir nicht
die geringste Gefährdung. Unverständlich ist für uns, dass das Auswärtige Amt nicht zeitnah
informiert. Mittlerweile ist der neue Präsident ohne jedwede Zwischenfälle gewählt: Macky Sall
wird die Geschicke des Senegal in den nächsten fünf Jahren maßgeblich beeinflussen.
Von der Schule in Mont Roland gibt es nur Positives zu berichten. Wir sind immer wieder
erfreut über unsere gute Zusammenarbeit mit dem Direktor der Schule und dem Kollegium.
Da wir auch in anderen Orten Schulen besuchen, können wir gut einschätzen, wie
hervorragend zum Wohle der Kinder Direktor Alfons Diop arbeitet. Die private Schule in Mont
Roland setzt sich zusammen aus zweimal sechs Klassen, der französischen Grundschule
entsprechend. Dafür stehen 15 Lehrer zur Verfügung. Das Monatsgehalt eines Lehrers in Mont
Roland beträgt etwa 150 Euro. Die Lehrer der staatlichen Schulen streiken seit vier Monaten
um mehr Gehalt, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Für die Kinder bedeutet das: kein
Unterricht. Im senegalesischen Fernsehen wurde dieser Zustand angeprangert. Schüler
berichteten, ihre Abschlusszeugnisse sind dadurch wertlos, da ihre Ausbildung nicht den
vorgesehenen Schulzielen entspricht. Die staatlichen Lehrer verdienen das Doppelte bis
Dreifache der Lehrer in Mont Roland.
Eine neue Überlegung teilte uns Alphons Diop mit. Er, sowie das Kollegium, möchten
gerne den Kindern Informatik-Unterricht ermöglichen. In den anderen privaten Schulen gehört
Informatik schon zum Stundenplan. Dafür müsste ein neuer Raum geschaffen werden. Wir
überlegen, woher wir Computer bekommen könnten, die in Deutschland eventuell
ausgewechselt, aber für die Schule noch völlig in Ordnung wären. Wer einen Computer zur
Verfügung stellen kann, oder von ausgetauschten noch funktionsfähigen Geräten hört, den
bitten wir, sich mit uns in Verbindung zu setzen.
Eine Katholische Gemeinde in Dortmund, die Bücher für ein Bolivien-Projekt sammelt,
stellte uns für die Schule in Mont Roland drei Bananenkartons voll mit französischen
Kinderbüchern zur Verfügung. Durch die Möglichkeit der Zuladung in einen Container, der
gerade Richtung Senegal ging, kommen die Bücher demnächst in der Schule an. Was mit
wenigen Büchern vor drei Jahren begann, hat inzwischen das Ausmaß einer kleinen Bibliothek.
Danke an alle, die dabei mitgeholfen haben.
Nach reiflichen Überlegungen mit dem Direktor
Alphons Diop haben wir in diesem Jahr wieder einmal
eine große Reisverteilung vorgenommen. Reifliche
Überlegung deshalb, da es viel Geld für eine
kurzfristige Hilfe ist Die Preise für Lebensmittel steigen
seit Jahren und sind für viele nicht mehr bezahlbar. So
haben wir 14 Tonnen Reis an alle Schüler der Schule
verteilen: pro Schüler 25kg und für das kleine Internat
einen Vorrat.
Mit einem großen Dankesfest wurde die Verteilung gefeiert.
Ihnen allen müssen die Ohren geklingelt haben, so stark waren die
Dankesreden der Eltern der Schüler.
Zur ökologischen und sozialen Lage des Landes:
Auf der UN-Liste der entwickelten Länder belegt der
Senegal den 166. Platz. Damit zählt er zu den 50 am wenigsten
entwickelten Ländern der Erde. 54 Prozent der Bevölkerung lebt
unterhalb der Armutsgrenze. In den ländlichen Gebieten steigt die
Armutsrate sogar bis auf 88 Prozent. Kein Wunder, dass immer
mehr Menschen vom Land in die Städte drängen- mit allen
Problemen, die diese Völkerwanderung mit sich bringt.
Endlich scheint auch
unser Projekt: „Hilfe zur
Selbsthilfe“ außerhalb der Schule, Form anzunehmen. Es
wurden fünf Schweine und sieben Ferkel für das Dorf
gekauft und errichtet. Die Schweine werden schlachtreif
gefüttert und das Fleisch verkauft. Für die moslemischen
Menschen in Mont Roland sollen jetzt zum gleichen Zweck
Schafe gekauft werden.
Auch Abbe Ambrosius Tine, Generaldirektor der
Caritas Senegal, konnten wir treffen. Er bat uns Ihnen allen
seinen großen Dank für Ihr Engagement der
<< Liebe ohne Grenzen >> und Gottes Segen auszusprechen.
Wir schließen uns diesem Dank an und danken insbesondere für das große Vertrauen,
das Sie uns entgegen bringen.
Heidi Polzin Thomas Polzin
Yalla na la yalla dimbali = möge Gott Ihnen beistehen = (der Abschiedssegen in Senegal)
Solidarität Senegal 98; Heidi +Thomas Polzin, Berner Weg 5; D 44287 Dortmund,
Tel +49 (0) 231 443559 E-Mail soli-senegal@web.de Internet: soli-senegal.de.vu
Spenden bitte an:
Polzin / Solidarität Senegal, Volksbank Dortmund, Konto 310 6666 000 BLZ 441 600 14
oder
BIC GENODEM1DOR, IBAN DE 55 4416 0014 310 6666 000
Dortmund, 2012-04-05
Comments