Ansprache des Direktors 10 Jahre Solidarität Senegal

Ecole Notre-Dame de Mont-Rolland

Mont-Rolland, den 13 Februar 2008

BP 3244 Thiès

 

“Solidarité Sénégal 98”

 

DANKESANSPRACHE von Schuldirektor Alphonse Thiaya DIOP anläßlich des

Zehnjahresjubiläum der Patenschaften 1998 bis 2008

 

Herr Abbé Ambroise Tine, Geistlicher Berater für das Katholische Bildungswesen in Thiès,

Herr Direktor der katholischen Diözese und des katholischen Bildungswesen von Thiès,

Herr Pfarrer der Schule Notre-Dame,

Herr Präsident der Elternvereinigung,

Liebe Freunde, liebe Kinder, liebe Gäste

 

Liebe Heidi, lieber Thomas, Verantwortliche des Schulförderkreises Solidarité Sénégal 98

 

1998-2008 – Seit nunmehr zehn Jahren kooperiert die Solidarité Sénégal 98 erfolgreich mit unserer Schule. Jedes Jahr nehmt Ihr die weite Reise auf Euch um persönlich mit vollen Einsatz den Kindern von Mont – Rolland zur Seite zu stehen.

Aus 10 Patenkindern im Jahre 1998 sind mittlerweile 200 geworden, die von der Solidarité Sénégal 98 betreut und regelmäßig in Form von Beiträgen unterstützt werden. Dank Eurer Zusammenarbeit erhalten die Kinder eine Ermäßigung, des Schulbeitrages, die es den Eltern erlaubt ihren Anteil der Schulkosten regelmäßig beizutragen.

 

Warum diese Patenschaften?

 

Für die Familien dieses Dorfes, die nichts besitzen, bleibt die Schule ein Luxus und der Schulerfolg unerreichbar.(Wie kann man seine Schulaufgaben in überbevölkerten Strohhütten ohne Strom und Tisch verrichten?) Also geben die Kinder schnell die Schule auf, und die Mädchen finden sich als „Mädchen für alles“ in der Hauptstadt Dakar wieder, dies mit allen schmerzlichen Konsequenzen, die diesen Status oftmals begleiten.

Ihr gebt diesen Kindern die einzige Chance, die Schule zu besuchen und somit ihre Zukunft zu gestalten. Die Patenschaft öffnet diesen Kindern ein Fenster zur Welt und gibt ihnen die Möglichkeit, selbständige und verantwortliche Erwachsene zu werden und den Kreis der Armut zu durchbrechen.

 

Durch direkte Beziehung zu diesen Kindern erweist Ihr ihnen Achtung und vermittelt ihnen Einsatz für mehr Gerechtigkeit und Liebe in der Welt.

 

Liebe Heidi lieber Thomas,        
jedes Jahr besucht Ihr im Februar Eure Patenkinder, Eure Koffer gefüllt mit vielen Geschenken und Geld. Eure Treue hat sich auf Dauer gefestigt und beweist eine lebendige Partnerschaft.

 

Das Evangelium lehrt uns, dass wir nicht Eigentümer sondern Verwalter der Güter sind, die wir besitzen: Diese sollten also nicht als unser ausschließliches Eigentum betrachtet werden sondern als Mittel, durch die der Herr jeden von uns anhält, ein Instrument seiner göttlichen Vorsehung gegenüber seinem Nächsten zu sein. Der Katechismus der Katholischen Kirche erinnert daran, dass die irdischen Güter vom Prinzip ihrer universellen Bestimmung einen sozialen Wert darstellen. Ich zitiere den Papst aus seiner Fastenpredigt 2008.

Diese Wahrheit erleben wir also gemeinsam mit den Mitgliedern der St. Reinoldi-Kirche und den Schwester-Kirchen, deren treuen Mitglieder die wichtigsten Paten und Patinnen unserer Kinder sind.

 

Es ist also an uns, Euer Vertrauen zu würdigen, welches eine große Beständigkeit aufweist.

Die Kinder müssen gut in der Schule arbeiten, damit sich das, was ihre Paten und Patinnen in sie investieren, auch lohnt und ihre Dankbarkeit mit selbstverfassten Briefen zum Ausdruck zu bringen. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass die Korrespondenz uns manchmal nebensächlich erscheint, jedoch bedeutet sie eine Art Beweis, dass es die Patenkinder wirklich gibt und Schüler von der Ecole de Mont-Rolland sind. Auf Direktionsebene ist dies eines unserer Hauptanliegen und darin sind wir uns mit dem Lehrpersonal einig, dass die Korrespondenz der einzige Wert ist, den die Kinder ihren Paten anbieten können.

An dieser Stelle möchte ich den großen Wunsch des Direktors der Diözese hervorheben, welcher alles unterstützt, um den Fortbestand unserer Beziehung zu festigen, und die Zukunft des Katholischen Schulwesens zu sichern. Seine Anwesenheit heute bezeugt seinen Einsatz an unserer Seite.

 

Dass unsere Zusammenarbeit mit der Solidarité Sénégal 98 überhaupt zu Stande kam, verdanken wir dem Einsatz einer Einwohnerin des Dorfes, Frau Elisabeth Seck, frühere Angestellte des Club Aldiana von Mbour. Diskret aber tatkräftig hat sie immer im Schatten vermittelt, damit zwischen ihren Freunden im Club und der Schule ihres Dorfes feste Bindungen entstehen. Der Erfolg dieser 10 Jahre sind auch der von Elisabeth.

 

Eigentlich hätte ich mit Abbé Ambroise beginnen sollen, aber bewusst möchte ich am Schluss unterstreichen, dass gerade er das Sprachrohr aller Patenkinder der Schule in Deutschland ist. Hat er Ferien, nimmt er seinen Pilgerstock, um die Bedeutung der Patenschaft zu verbreiten. Er hört zu, argumentiert und gleicht jedes noch so kleine Mißverständnis aus, das die gute Zusammenarbeit stören könnte. Er hat die Gabe zum Überzeugen für die gute Sache. Man könnte sagen, er atmet nur für Mont-Rolland, sogar wenn in der Zwischenzeit seine neuen Aufgaben ihn ein wenig von uns entfernt haben. Er war in Mont-Rolland, als Heidi und Thomas ihre ersten Schritte ins Dorf gesetzt haben. Er hat sie angespornt und motiviert, und in der Zwischenzeit haben sich feste Bande, in gegenseitigem Respekt und Vertrauen gesponnen.

 

Ich will mich im Namen aller Kinder bei ihm bedanken. Auf jeden Fall ist ihm für immer die Dankbarkeit der Schule gegeben.

 

Die Patenschaften stellen auch ein Herausforderung an unsere Eltern dar. Diese wird angenommen, weil unsere Eltern alle verstanden haben, dass „ Der afrikanische Bauer, schon Jahrtausende mit den Jahreszeiten lebt, dessen Lebenszweck es ist, im Einklang mit der Natur zu leben; kennt nur die unveränderliche Wiederkehr der Zeit, im Rhythmus der Wiederholung ohne Ende, derselben Bewegungen und derselben Worte.“ In dieser Gedankenwelt, in der immer alles wieder von vorne anfängt, gibt es keinen Platz für neue Wissenschaften und fortschrittliches Denken.

 

In diesem Universum, wo die Natur alles befiehlt, bleibt der Mensch von der Beklemmung der Geschichte verschont, die den modernen Menschen bedroht. Aber er bleibt unbeweglich inmitten einer unveränderlichen Ordnung, wo alles im Voraus bestimmt scheint. Niemals wendet sich der Mensch der Zukunft zu. Niemals kommt es ihm in den Sinn, sich aus dieser Wiederkehr zu befreien und sich eine andere Zukunft zu erfinden.

 

Afrikas Problem ist, das „Nichtaufhören“ mit dem ständigen Wiederholen, immer wieder Erinnerungen an sich vorüberziehen zu lassen, sich vom Mythos des ewigen Zurückkommens zu befreien, sich bewusst werden, dass die Goldenen Zeiten, denen es immer wieder nachtrauert nie wiederkommen werden, weil es sie einfach nie gegeben hat.

Afrikas Problem ist, dass seine Gegenwart in der Nostalgie des verlorenen Paradieses der Kindheit lebt.

Afrikas Problem ist, zu oft misst es die Gegenwart an der total erfundenen Reinheit des Ursprungs, die niemand wieder auferstehen lassen kann.

 

Das sind bittere Worte die ich aus der Ansprache zitiere, die der französischen Präsident in der Universität in Dakar gehalten hat. Kontroverse Worte, die aber in unserem Dorf in Mont-Rolland gewiss erkennbar sind.

 

Ich möchte abschließend ein paar Wünsche aussprechen: Gesundheit und Glück für die Patenfamilien. Wenn er etwas von sich selber verschenkt, beweist der Christ, dass die Liebe und nicht materieller Reichtum die Gesetze des Lebens diktiert. Es ist also die Liebe, die die verschiedenen Formen des Gebens anregt, gemäss den Möglichkeiten und Voraussetzungen eines jeden Einzelnen.

 

Auf unserer Ebene bieten wir Euch unsere Gebete mit unseren unschuldigen Kinderseelen an, damit Eure Existenz durch positive Erfahrungen bewegt wird, die aus Euren unzähligen Aktionen an unserer Schule entstehen.

 

 

Danke

 

Mont-Rolland, den 13 Februar 2008
 
 
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